SPD Lichterfelde Ost und Süd

Stadtteiltag in Lichterfelde Süd kurz vor der Sommerpause lockt viele Teilnehmer an

Abteilung

Rundgang über die "Parks Range"

Die inhaltliche Nachbereitung meines letzten Stadtteiltages ist noch nicht ganz abgeschlossen, da stand bereits der nächste vor der Tür! Inhaltlich konnten wir an einige der im Mai andiskutierten Themen nahtlos anschließen. Die erste Hälfte des Tages stand erneut unter dem Thema Flüchtlinge und Jugendarbeit. Nach dem Besuch der Jugendwerkstatt am Ostpreußendamm und einer Vorstellung der Einrichtung durch den Leiter Andree Schäfer haben wir uns diesmal nicht in einer bereits bestehenden Flüchtlingsunterkunft umgeschaut, sondern das sich im Bau befindende „Containerdorf“ auf demselben Gelände besichtigt. Unter der Trägerschaft des Evangelischen Diakonievereins Berlin Zehlendorf e.V. entsteht hier eine neue Gemeinschaftsunterkunft für ca. 300 Personen. Der künftige Leiter der Einrichtung, Herr Keller, klärte uns darüber auf, dass der frühzeitige Kontakt zu den Anwohnern der Unterkunft eine wichtige Rolle im Konzept des Trägers einnimmt. So habe man bereits mehrere Informationsveranstaltungen angeboten, die von der Nachbarschaft auch angenommen wurden. Eine deutliche Ablehnung der Einrichtung sei bisher nicht zu verzeichnen. Auch in Zukunft wolle man mit einem Tag der offenen Tür und anderen Angeboten das Kennenlernen der Menschen fördern. Ziel des Trägers sei es ohnehin, die Flüchtlinge so früh wie möglich zum Verlassen der Unterkunft zu ermutigen. So sollen Deutschkurse zuerst an der Volkshochschule angeboten werden – jeder Gang nach draußen trägt zur Integration bei.

Gleichzeitig warnte Herr Keller aber auch vor einer zu starken „Vereinnahmung“ der Menschen durch Helfer von außen. Hier müsse man offen darüber sprechen, dass Hilfe schnell auch zu einer beschämenden Situation führen kann, wenn nicht die Möglichkeit besteht, etwas zurück zu geben. Es ist also unerlässlich, alle ehrenamtlichen Helfer aufzuklären und positive Formen der Hilfe finden, die von den Menschen auch angenommen werden können.

Dass das Willkommensbündnis in Steglitz-Zehlendorf aber trotz aller auch vorhandenen Schwierigkeiten ein voller Erfolg ist, wurde uns im Gespräch mit Herrn Busch, dem Pfarrer der Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf, bestätigt. Im Gemeindezentrum in der Celsiusstr. hatten wir uns mit ihm getroffen, um über die Situation der Gemeindearbeit zu sprechen. Auch hier wird die Flüchtlingsarbeit in Zukunft einen immer höheren Anteil einnehmen. Denn mittlerweile ist klar: Es werden noch mehr Flüchtlingsunterkünfte errichtet werden (bis zu 3), die allesamt im Einzugsgebiet der Gemeinde liegen. Hier laufen ganz aktuell Überlegungen, wie man damit personell umgehen wird und kann. Klar ist: Im Hinblick auf die Bebauung des ehemaligen ParksRange-Geländes mit ca. 2500 Wohnungen fordert die Gemeinde ein neues Zentrum für ihre Arbeit, um auch diese Menschen mit ihren Angeboten versorgen zu können. Die Gemeinde denkt dabei nicht an einen Sakralbau, sondern an ein interreligiöses Gemeindezentrum, in dem man ganz pragmatisch Begegnungsmöglichkeiten anbieten und Gemeindearbeit organisieren kann. Hier wird es Verhandlungen mit dem Investor geben müssen über die Frage, welchen Anteil er an der Neuentstehung eines solchen Zentrums übernehmen wird.
Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf zwei Dinge: Zum einen auf die hervorragende Arbeit von Bus-Stop e.V., dem interkulturellen Kinder-, Jugend- und Familienzentrum in den Gemeinderäumen in der Celsiusstr. Hier war ich mittlerweile schon so oft zu Gast und bin immer wieder positiv überrascht, wie schnell Themen aufgegriffen und bearbeitet werden. Aktuellstes Beispiel: Ehrenamtliche, die sich im Rahmen des Willkommensbündnisses engagieren wollen, erhalten hier eine Fortbildung – kurz zuvor hatte ich von Herrn Keller ja noch gehört, wie notwendig eine solche Professionalisierung sei. Wichtig darüber hinaus ist aber auch der Hinweis auf die Internetseite www.medizin-hilft-fluechtlingen.de. Ein tolles Projekt, getragen von Ehrenamtlichen, im Rahmen dessen Flüchtlingen schnell und unbürokratisch geholfen wird.

Der zweite Teil des Tages stand dann unter ganz anderen inhaltlichen Vorzeichen. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel hatte sich Zeit genommen, um mit uns über das ehemalige ParksRange-Gelände an der Osdorfer Straße /Réaumurstraße zu laufen und mit uns über die aktuellen Bebauungsplanungen zu sprechen. Seit langem wird hier eine sehr emotionale Auseinandersetzung über eines der größten Bauvorhaben in der Stadt geführt. Andreas Geisel hatte hier gute Nachrichten im Gepäck: Ganz aktuell hat der Berliner Senat das „Modell der kooperativen Baulandentwicklung“ beschlossen, dass den Anspruch einer sozialgerechten Bodennutzung in die Praxis umsetzen soll. Hiermit wird nun berlinweit festgelegt, dass bei Neubauprojekten in den städtebaulichen Vertrag bestimmte verpflichtende Vorgaben für den Investor aufgenommen werden, wie beispielsweise eine Quote von 25% der geplanten Wohnungen im mietpreis- und belegungsgebundenen Sektor zu errichten und benötigte Einrichtungen der Versorgungsinfrastruktur, wie z.B. Kitas und Schulen, mitzubauen. Aus Sicht des Investors sind dies durchaus unangenehme Vorgaben, aus der Perspektive einer wachsenden Stadt mit Wohnraummangel aber wichtige politische Entscheidungen. Gut, dass wir nun die Sicherheit haben, dass auch bei diesem großen Bauvorhaben „vor unserer Haustür“ diese Regeln gelten, das schafft Klarheit für die bezirkliche Debatte.

Danach habe ich mich ganz besonders gefreut über eine Besichtigung des Vattenfall Heizkraftwerkes Lichterfelde. Durch meine Mitarbeit in der Enquête-Kommission „Neue Energie für Berlin“ bin ich natürlich an jeder neuen Entwicklung im Energiebereich nah dran und nutze gerne die Gelegenheit, mir auch einmal die „Praxis“ anzuschauen. Das bestehende Heizkraftwerk wir in absehbarer Zeit stillgelegt und durch ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk ersetzt. Auf diese Weise wird Energie eingespart und die Umwelt durch einen Rückgang der Emissionen an Kohlenstoffdioxid entlastet. Wir konnten uns nun selbst davon überzeugen, dass die Umbaumaßnahmen bereits weit vorangeschritten sind und Vattenfall hier im selbst gesteckten Zeitplan gut voran kommt.

Abschließend ging es noch einmal zurück in den Bus-Stop, wo ich auf einem Podium zusammen mit dem Abteilungsvorsitzenden der SPD Lichterfelde Ost und Süd, Dr. Holger Fabig, dem Geschäftsführer der Groth-Gruppe, Herrn Thomsen, und dem Staatssekretär für Bauen und Wohnen, Herrn Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, für alle noch offen gebliebenen Fragen rund um die Planungen zum neuen Wohngebiet in Lichterfelde Süd zur Verfügung stand. Viele Nachbarn nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren und an der ein oder anderen Stelle berechtigte Kritik zu äußern. Auch ich habe nochmals betont, dass die Änderung des Flächennutzungsplanes hin zu "W2" (mit einer Geschossflächenzahl bis zu 1,5) nicht dazu verleiten darf, Häuser im ähnlichen Stil wie in der Thermometersiedlung zu bauen. Auch die Flankenbebauung - hin zum S-Bahnhof - sollte bereits abgeflacht sein und über sechs Geschosse nicht hinausgehen. Der Dialog wurde sehr konstruktiv geführt und Herr Thomsen als Vertreter des Investors ging auf viele Beiträge ein.

In diesem Sinn endete erneut ein sehr informativer Stadtteiltag in Lichterfelde Süd.

Irene Köhne

Impressionen vom Stadtteiltag von Irene Köhne in Lichterfelde Süd am 18.06.2015

 
 

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