Dass eine hochrangige deutsche Politikerin auf ihrem rastlosen Einsatz zwischen Mecklenburger Seen und Allgäuer Voralpen geographisch nicht immer sattelfest sein kann, hat Angela Merkel bereits vor fünf Jahren unter Beweis gestellt. Und zwar in so nachhaltiger Weise, dass selbst die Berliner Morgenpost unlängst noch einmal daran erinnerte. Sie freue sich „in Lichtenrade“ zu sein, begrüßte die CDU-Vorsitzende damals bei einer Wahlveranstaltung und mit festem Blick auf den Bahnhof Lichterfelde-Ost die reichlich erstaunten Zuhörerinnen und Zuhörer. Auch wäre sie gerne „hier zum Breitscheidplatz“ gekommen.
Somit stehen am kommenden Freitag die Chancen gut, dass aufgrund solch rudimentärer Ortskenntnisse die für den Tag auf dem Kranoldplatz vorgesehene Versammlung ohne Angela Merkel stattfinden wird. Sollte sie aber dennoch mit Hilfe modernster Technik und einigen ortskundigen Berlinerinnen und Berlinern den zentralen Platz in Lichterfelde-Ost erreichen, wird sie sich möglicherweise über ihre dortigen Parteifreunde wundern. Denn in Lichterfelde ruft die CDU dazu auf, bei den anstehenden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus mit Irene Köhne die Kandidatin der örtlichen SPD zu wählen. „Damit sich was ändert!“ - so lautet die Forderung auf den überall anzutreffenden CDU-Plakaten. Und darunter das Foto von Irene Köhne. Signalbotschaften nennen das die Psychologen. In Kenntnis ihrer drohenden Niederlage tritt die CDU offensichtlich die Flucht nach vorne an. Viele haben das verstanden. Frau Merkel auch?